Manuela Schwesig: Potential der Frauen für die Wirtschaft nutzen

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat im Rahmen der 14. Fachkonferenz der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex am 17. Juni in Berlin für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft geworben. Sie appellierte dabei an die Führungskräfte aus der Wirtschaft: „Nutzen Sie das Potential der Frauen für Ihren Unternehmenserfolg!“

Freiräume zur Selbstregulierung

Die Fachkonferenz stand unter dem Motto „Selbstregulierung oder staatliche Vorgaben – Chancen für mehr Freiheit?“ und thematisierte das Gesetz für die Quote. Manuela Schwesig machte in ihrer Rede deutlich, dass das am 1. Mai 2015 in Kraft getretene Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst sowohl staatliche Vorgaben als auch Freiräume zur Selbstregulierung für die Wirtschaft enthält.

Lange habe die Politik die nur sehr langsam steigende Beteiligung von Frauen in Aufsichtsräten beobachtet und dabei festgestellt, dass es ohne staatliche Vorgaben nur im Schneckentempo weitergegangen wäre. Das Gesetz schreibt deshalb vor, dass die börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen ab dem 1. Januar 2016 freiwerdende Aufsichtsratsposten solange mit Frauen besetzen müssen, bis deren Anteil 30 Prozent beträgt.

30 Prozent bewirken Veränderung

Manuela Schwesig: „Die erste Frau, die in ein Männergremium kommt, ist immer eine Außenseiterin. Egal wie gut sie ist. Aber 30 Prozent sind etwas anderes. 30 Prozent verändern zwangsläufig die Art, wie man miteinander umgeht. Die Frauenquote ändert Strukturen und stößt dadurch einen Kulturwandel an – einen Kulturwandel für mehr Gleichberechtigung im ganzen Unternehmen.“

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen sieht auch Elemente der Selbstregulierung vor. Unternehmen, die entweder mitbestimmt oder börsennotiert sind, müssen sich selbst Ziele zur Frauenförderung setzen. Sie sind jetzt verpflichtet, Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen festzulegen. Die Politik werde sehr genau beobachten, ob und wie die Unternehmen die Chance zur Selbstregulierung nutzen oder ob weitere Vorgaben erforderlich sind. „Nutzen Sie also die Chance der Freiheit, die das Gesetz den Unternehmen durch die Elemente der Selbstregulierung lässt“, so Manuela Schwesig.

Deutsche Corporate Governance Kodex

Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) stellt wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften dar und enthält in Form von Empfehlungen und Anregungen international und national anerkannte Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Die beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz angesiedelte Regierungskommission DCGK formuliert diese Empfehlungen und Anregungen und überprüft jährlich, ob sie der Unternehmensführung entsprechen oder ob sie angepasst werden müssen.

Da der Kodex Ausdruck einer Selbstverpflichtung der Wirtschaft zu guter Corporate Governance ist, findet die Überprüfung nicht nur innerhalb der Kommission statt, sondern im Dialog mit den Unternehmen und ihren Stakeholdern, der Politik und der Öffentlichkeit. Das öffentliche Konsultationsverfahren und die jährliche Konferenz sind dabei nur zwei Foren, die diese Einbindung gewährleisten.

Kita-Ausbau geht voran

Das Bundeskabinett hat den fünften Bericht zur Evaluation des Kinderförderungsgesetzes (KiföG) beschlossen. Darin wird erstmals seit Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz die Betreuungssituation in ganz Deutschland seit 2008 bewertet. Hierzu wurden auch Eltern, Jugendämter, Kindertageseinrichtungen und ihre Mitarbeiterinnen sowie Tagespflegepersonen befragt.

Der Kita-Ausbau geht mit hohem Tempo voran: Am 1. März 2014 wurden in Deutschland 660.750 Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen oder der öffentlich geförderten Kindertagespflege betreut – das sind fast 300.000 Kinder mehr als im Jahr 2008. Die Betreuungsquote der unter Dreijährigen stieg damit zwischen 2008 und 2014 von 17,6 Prozent auf 32,3 Prozent. Einen Betreuungsplatz wünschen sich jedoch 41,5 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren. Daher muss der Ausbau auch in den kommenden Jahren weitergehen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig begrüßt die Entwicklung: „Dieser abschließende KiföG-Bericht zeigt eindrucksvoll, welche enorme Dynamik der Rechtsanspruch in der Betreuung von Kindern unter drei Jahren ausgelöst hat. Auf diese Entwicklung können wir stolz sein, der Zuwachs ist auch international beispiellos. Gleichwohl bleiben Versorgungslücken und Eltern berichten über Probleme. Deshalb haben wir mit dem dritten Investitionsprogramm die Bundesmittel für den Betreuungsausbau noch einmal um 550 Mio. auf eine Mrd Euro aufgestockt.“

Sowohl die Betreuungsquote als auch der Bedarf nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren unterscheiden sich stark zwischen den einzelnen Bundesländern. Die Differenz zwischen Betreuungsbedarf der Eltern und Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahren war 2014 in Westdeutschland mit 10,2 Prozentpunkten fast doppelt so hoch wie in Ostdeutschland mit 5,4 Prozentpunkten.

Der rasante Betreuungsausbau ging nicht zu Lasten der Qualität: Sowohl Personalschlüssel als auch Gruppengrößen blieben über die Jahre hinweg konstant. Kindertagespflegepersonen sind zunehmend besser qualifiziert. In den Befragungen äußerten sich Eltern insgesamt weitgehend zufrieden. Viele wünschen sich allerdings einen flexibleren Umgang mit unvorhergesehenen Situationen, weniger Ferienschließzeiten und niedrigere Elternbeiträge. Allerdings sind die Erzieherinnen und Erzieher mit der Anerkennung ihrer Arbeit und der Vergütung überwiegend unzufrieden.

„Eltern wünschen sich die bestmögliche Betreuung und Bildung für ihre Kinder. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, ein breites Angebot von guter Qualität zu gewährleisten. Dazu brauchen wir auch mehr und zufriedenere Fachkräfte. Forderungen nach einer besseren Bezahlung für Erzieherinnen und Erzieher sind richtig und gerechtfertigt. Die Frauen und Männer, die unsere Kinder betreuen, leisten jeden Tag eine engagierte und wertvolle Arbeit,“ betont Manuela Schwesig.

Unternehmen unterstützen Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Von einer familienfreundlichen Arbeitswelt profitieren auch die Unternehmen. Darauf hat die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig bei einem Treffen mit den Regionalbotschafterinnen und -botschaftern des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ hingewiesen. Arbeitgeber, die eine partnerschaftliche Aufteilung von familiären und beruflichen Aufgaben unterstützen, könnten sich im Wettbewerb um Fachkräfte einen handfesten Vorteil verschaffen.

„Viele Väter wünschen sich heutzutage mehr Zeit für die Familie“, betonte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. „Wir brauchen deshalb eine neue Qualität der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mütter und Väter brauchen neue Angebote, wenn Unternehmen sie als Arbeitskräfte halten und gewinnen möchten“, so Schwesig weiter.

Mit den Vertretern des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ verständigte sie sich beim Treffen im Bundesfamilienministerium auf fünf Leitlinien für eine partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen wie vollzeitnahe Arbeitszeitmodelle für beide Elternteile. Männliche Beschäftigte und Führungskräfte sollen ermutigt werden, familienfreundliche Angebote genauso in Anspruch zu nehmen wie Frauen.

Die Regionalbotschafterinnen und -botschafter sagten zu, das Thema der partnerschaftlichen Aufgabenteilung in Familie und Beruf bundesweit in die Fläche zu tragen. Durch Infoveranstaltungen, Workshops sowie Unternehmensbesuche wollen sie vor allem unter männlichen Arbeitnehmern für die Angebote werben.

Ein Großteil der deutschen Unternehmen misst dem Thema Väterunterstützung inzwischen größere Bedeutung zu. Dies belegt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM) in Kooperation mit dem Bundesfamilienministerium. Mehr als 80 Prozent der 1.737 befragten Personalverantwortlichen sahen demnach eine gestiegene Erwartungshaltung der Väter an betriebliche Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In der Praxis unterstützen Arbeitgeber bisher die Beschäftigten in dieser Hinsicht aber nur zum Teil.

Mehr Informationen zu den Botschafterinnen und Botschaftern, der BPM-Befragung und den „Leitlinien für eine väterorientierte Personalpolitik“ finden Sie hier: www.erfolgsfaktor-familie.de.