„Durch Unvereinbarkeit entstehen vermeidbare Kosten“

05.12.2011 09:28 von Stefanie Franz

In Ihrer Expertise haben Sie die Folgekosten einer Unvereinbarkeit von Pflege und Beruf untersucht. Mit welchem Ergebnis?

Die Unvereinbarkeit kostet die deutsche Wirtschaft pro Jahr etwa 19 Milliarden Euro. Heruntergerechnet auf die einzelnen Betriebe sind das pro beschäftigter Person mit Pflege- respektive Betreuungsaufgaben durchschnittlich 14.000 Euro im Jahr. Somit entstehen Folgekosten, die nicht nur vermeidbar sind, sondern auch ein nennenswertes Renditepotenzial darstellen.

Worauf sind die Kosten zurückzuführen?

Fast die Hälfte der Folgekosten verursacht das Phänomen des Präsentismus: wenn Beschäftigte zwar physisch am Arbeitsplatz anwesend, aber aufgrund des Drucks, Zeitstresses und der psychischen Belastung nicht mehr voll leistungsfähig sind. So ist eine vollzeitbeschäftigte Person mit Pflegeaufgaben nach Einschätzung unserer Experten nur noch zu etwa 77 Prozent leistungsfähig. Bei Teilzeitbeschäftigten mit Pflegeaufgaben sind es hingegen 93 Prozent.

Wie ist es mit Ausfallzeiten?

Für 20 Prozent der Folgekosten ist die erhöhte Anzahl von Fehlstunden oder -tagen verantwortlich. Ein Vollzeitbeschäftigter fehlt aufgrund der Doppelbelastung zusätzlich zu den durchschnittlichen Krankheitstagen etwa 7,1 Tage pro Jahr.

Was raten Sie den Unternehmen?

Das Thema rollt auf die Unternehmen zu, ob sie wollen oder nicht. Gleichzeitig lässt es der Arbeitsmarkt nicht zu, dass Unternehmen auf Beschäftigte mit Pflegeaufgaben verzichten können. Deshalb ist es im Sinne der Betriebe, ihre Beschäftigten zu unterstützen. Ein wesentlicher Schlüssel ist es, das Thema offener anzugehen und eine Anlauf- und Informationsstelle im Betrieb zu bieten. Da die Pflegesituation meist wie ein Blitzeinschlag die Menschen ereilt, haben sie kaum die Möglichkeit, ihr Zeitmanagement auf die Veränderung zu justieren. Deshalb sollte der akute Zeitkonflikt von Beschäftigten und Arbeitgebern gemeinsam gelöst werden, um dann nach passgenauen Möglichkeiten zu suchen. Das Management verursacht dabei lediglich zwei Prozent der Gesamtkosten.

Die Studie können Sie hier herunterladen: www.carersatwork.tu-dortmund.de

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